Kann Image Identität stiften?
... Viele Unternehmer fielen in den 70er und 80er Jahren einer Scharlatanerie zum Opfer. Sie glaubten, Unternehmer- und Unternehmens-Bilder, Corporate image und Corporate design könnten zwischen ihnen und ihren Mitarbeitern und der Öffentlichkeit Identität schaffen. Diese Strategie schlägt nun auf sie und ihre Unternehmen zurück. Sie besserten die Bilder mit dem Schein moralischer Werte auf, und als Folge erwarteten Mitarbeiter und Öffentlichkeit von den Unternehmern ein moralisches Verhalten, das über den gemeinwohlschädigenden Egoismus der Politiker erhaben sein sollte. Es wurde das Institut der „Grenzmoral“ errichtet: Werden die Normen dieser Moral in den Augen der Öffentlichkeit übererfüllt, bedeutet dies für das Unternehmen ökonomisch relevanten Gewinn. Werden sie unterschritten ist ein ökonomisch relevanter Image-Schaden die Folge.
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Es gibt jedoch Gegenbewegungen. So lösten sich einige Unternehmen inzwischen von der lächerlichen Behauptung, Image könne Identität stiften. Sie haben erkannt, dass nur ausdrücklich nicht-ökonomische Werte, die ihren Ausdruck in sozialem oder ökologischem Bewusstsein und Engagement finden, unverwechselbare Identität schaffen können.
Zweites Fazit: Sollten einmal die politischen Parteien zu ähnlicher Einsicht gelangen, bestünde eine realistische Chance; sowohl die Parteienverdrossenheit als auch die Kapitulation des allgemeinen Bewusstseins vor dem Egoismus der Unternehmen und der Unternehmer zu überwinden.
Ruppert Lay, »Zynisches Versagen« Über die fehlende Moral der Manager (Die Woche 14.7.94)
