Zur Startseite des Bistums

Trennelement
Wanderung und Motivübernahme im mittelalterlichen Europa

Die Nachfolge der lombardischen Meister


Die Stücke des Tiermeisters fanden schnell Nachfolge: Im rheinhessischen Flonheim entstand ein gröberes, aber unübersehbar von Mainz abhängiges Relief mit zwei Greifen. Das Ungeschlachte der Ausführung macht das Wirken einer lombardischen Meisterhand zwar unwahrscheinlich, aber einem Schüler kann die Arbeit sicher zugeschrieben werden. Und nahe bei, in Ilbenstadt findet sich Bauornamentik, die ebenfalls ohne fremden Einfluss nicht denkbar wäre. Hier sind es die Ranken und die in ihnen eingeschlossenen Figuren, die vom lombardischen Einfluss zeugen. Es sind die nächsten Verwandten der Kapitelle der Zwerggalerie des Mainzer Doms. Allerdings entstand sie erst Jahre nach den unteren Teilen des Ostbaus. Als Kaiser Heinrich IV. im Jahr 1106 starb, versiegten die Geldquellen, die Lombarden brachen ihr Lager ab und zogen weiter. Ihre Spur verliert sich im Norden. Die Ostteile des Mainzer Doms reichten damals noch nicht bis zur Zwerggalerie. Als die Bautätigkeit wieder aufgenommen wurde, um 1130, hatten die lombardischen Meister schon lange Mainz verlassen. Aber sie gingen nicht ohne ein Vermächtnis: Deutsche Bildhauer, die mit den Lombarden zusammen gearbeitet hatten, nahmen das begonnene Werk auf und führten es zu Ende.